Die historischen Zentren der deutschen Uhrenproduktion sind v.a. der Schwarzwald, Pforzheim und Glashütte, wo bis heute Uhren produziert werden.

Großuhren aus dem Schwarzwald

Schon seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden in vielen kleinen Werkstätten im badischen Teil des Schwarzwaldes in großen Stückzahlen Holzuhren hergestellt. Dank früher Arbeitsteilung und vereinfachter Konstruktion waren die Wecker, Stand- und Wanduhren aus dem Schwarzwald durch ihre niedrigen Preise und hohe Qualität international erfolgreich. Die Grundlage bildete dabei der günstige und leicht zu verarbeitende Rohstoff Holz, der quasi vor der Tür in ausreichenden Mengen zur Verfügung stand. Zudem unterlag die Anfertigung von Uhren aus Metall den Zunftregeln und war ausschließlich auf städtische Uhrmacher beschränkt. Holzuhrmacherei war dagegen ein freies Gewerbe, das jedermann ausüben durfte. Ihre Blütezeit erlebte die Schwarzwälder Uhrenindustrie um die vorletzte Jahrhundertwende, als dann v.a. im württembergischen Teil innovative Produktionsweisen und Metallgehäuse zur Anwendung kamen.

Nach den beiden Weltkriegen und der Quarzkrise fand die Schwarzwälder Uhrenindustrie allerdings nicht mehr zu alter Größe zurück. Nichtsdestotrotz gibt es im Schwarzwald noch immer zahlreiche Hersteller von Großuhren und auch mechanischer Uhrwerke.

Armbanduhren aus der Goldstadt Pforzheim

In Pforzheim begründete Markgraf Karl-Friedrich von Baden 1767 die Uhren- und Schmuckindustrie. Mit Unterstützung eines Schweizer Unternehmers wurde im örtlichen Waisenhaus zur Beschäftigung der Waisenkinder eine Uhrenfabrik eingerichtet. Etwas später wurde die Fabrik um die Herstellung von Schmuckwaren erweitert, wohin sich der Schwerpunkt der Produktion über die kommenden Jahre verlagerte. Ab 1920 erlebte die Fertigung von Armbanduhren in Pforzheim jedoch eine Renaissance. Die Stadt wurde zum bedeutendsten Zentrum der Uhren- und Schmuckfabrikation weltweit, worauf der Beiname Goldstadt Bezug nimmt. In dieser Zeit entstanden zahlreiche Fabriken, wie auch die 1933 geründete ‚Pforzheimer Uhren-Rohwerke GmbH‘, die schon ein Jahr nach der Gründung selbst entwickelte mechanische Uhrwerke produzierte und verkaufte. Durch die langlebige Qualität und präzisen Gangwerte genossen die Uhrwerke auch international einen hervorragenden Ruf. In den 1970er Jahren waren in Pforzheim knapp 30.000 Menschen in der Uhren- und Schmuckindustrie beschäftigt. Genau wie im restlichen Schwarzwald verschwanden jedoch durch den Aufstieg der Quarzuhren auch in Pforzheim viele Betriebe und Arbeitsplätze in der Uhrenindustrie.

Heute sind wieder zahlreiche traditionsreiche und junge Uhrenfirmen in Pforzheim aktiv. In der Stadt findet man nach wie vor alles um hochwertige Uhren „Made in Germany“ zu bauen, von hervorragenden Uhrmachern bis hin zu Guillocheuren die in aufwendiger Feinarbeit Uhrenunikate herstellen. In Pforzheim sind außerdem eine Goldschmiede- und Uhrmacherschule, der Bundesverband Uhren und Schmuck, sowie das Technische Museum der Pforzheimer Schmuck- und Uhrenindustrie zu finden.

Beginn mit Taschenuhren und Schiffschronometern in Glashütte

1845 ließ sich Ferdinand Adolph Lange als erster Uhrmachermeister in Glashütte nieder. Mit einem Darlehen der sächsischen Landesregierung begann er lokale Arbeiter zu Uhrmachern auszubilden. In der Folge florierte die Uhrenindustrie in Glashütte mit zahlreichen Firmengründungen und war v.a. für ihre Präzisions-Taschenuhren und Schiffschronometer bekannt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die Glashütter Uhrenhersteller von den sowjetischen Besatzern enteignet und ab 1951 im Volkeigenen Betrieb (VEB) Glashütter Uhrenbetriebe (GUB) zusammengefasst.

Mit der Wiedervereinigung wurden viele bekannte Uhrenfirmen unter der Nutzung alter Markennamen neu gegründet oder sind aus dem ehemaligen VEB Glashütter Uhrenbetriebe neu entstanden. Seitdem werden in Glashütte v.a. hochpreisige mechanische Uhren hergestellt.

Text: Cornelius Huber