New Old Stock trifft auf Circula-Uhren

Zu Beginn war es nur ein Gerücht: Historische, nie verbaute mechanische Uhrwerke aus Pforzheim sollen im Lager eines Sammlers schlummern. Und tatsächlich, nach einiger Anstrengung wurde aus dem Gerücht Wirklichkeit – in Form von echten blauen Kunststoffkisten, die mit Platinen, Rädern, Rotoren, Schrauben und sonstigen Kleinteilen gefüllt waren, die man zum Zusammenbau von Uhrwerken benötigt. Diesen Schatz, der von Kennern auch als New Old Stock (NOS) bezeichnet wird, konnten wir uns sichern und haben ihn als Grundlage für unsere limitierte Heritage-Kollektion verwendet.

Was bedeutet New Old Stock (NOS)?

New Old Stock (NOS) lässt sich sinngemäß mit „neu aus altem Lagerbestand“ übersetzen. Es handelt sich bei New Old Stock im Allgemeinen um neue und unbenutzte Geräte oder Bauteile, deren Produktion in der Vergangenheit eingestellt wurde. New Old Stock-Bauteile sind auch bei Vintage-Liebhabern als Ersatzteile sehr begehrt.

Blaue Kisten mit alten PUW Werken

P.U.W.-Kaliber treffen auf moderne Circula-Uhren

Die mechanischen NOS-Uhrwerke der Circula-Uhren aus der Heritage-Kollektion wurden Ende der 70er Jahren von der ‚Pforzheimer Uhren-Rohwerke GmbH‘ (P.U.W.) zu 100% in Deutschland hergestellt. Aber wie kamen die Uhrwerke ein halbes Jahrhundert später in die modernen Circula-Uhren?

Geschichte der Pforzheimer Uhren-Rohwerke GmbH (P.U.W.)

P.U.W. wurde 1932 von Uhrmachermeister Rudolf Wehner in Pforzheim gegründet. Mit dem Kaliber PUW 500 gelang der Firma der Durchbruch, denn das Werk konnte hinsichtlich Zuverlässigkeit und Robustheit problemlos mit denen der Schweizer Konkurrenz mithalten. Nach der vollständigen Zerstörung des Unternehmens im Zweiten Weltkrieg ließ sich Rudolf Wehner nicht von seinem Kurs abbringen, baute P.U.W. erfolgreich wieder auf und war ein paar Jahre später sogar der größte deutsche Hersteller von Rohwerken. 1948 gründete er außerdem die Uhrenfabrik Porta, die ausschließlich P.U.W.-Werke in ihren Uhren verbaute. Zwei Jahre später legte Wehner P.U.W. und Porta zusammen.

Gegen Ende der 60er Jahre beschäftigte er rund 600 Mitarbeiter. Die Geschäfte liefen gut und bis in die späten 70er Jahre belieferte er fast alle Pforzheimer Uhrenhersteller mit mechanischen Uhrwerken, auch Circula. Wehners Erfolgsgeschichte endete langsam, als Uhren mit japanischen Quarzwerken immer beliebter wurden (Quarzkrise).

Im Gegensatz zu vielen anderen deutschen und Schweizer Herstellern erkannte er aber rechtzeitig den Trend und produzierte ab 1979 nur noch Quarzwerke. Durch diese Fokussierung hatte P.U.W. keine Verwendung mehr für die auf Lager produzierten Einzelteile der mechanischen Kaliber und vermachte sie deshalb einem Uhrmacher, der zu dieser Zeit als Kurator tausende Uhrwerke zahlreicher Fabriken einsammelte.

In den 80er Jahren war P.U.W. bzw. die eigens dafür gegründete Tochterfirma Porta Mikromechanik AG der einzige noch verbliebene Uhrwerkproduzent in Deutschland. Trotz aller Bemühungen kam das Pforzheimer Unternehmen aber nicht mehr gegen die viel günstigere Massenware der Japaner an – P.U.W. wurde 1990 schließlich von SMH (heute: Swatch Group) übernommen.

PUW HW 017/499 Handaufzug

New Old Stock-Werke erwachen in Circulas Heritage-Kollektion erstmals zum Leben

Unser erfahrener Uhrmacher, der auch selbst bei P.U.W. in Pforzheim seine Ausbildung gemacht hat, baut die bisher ungenutzten mechanischen Werke von Hand zusammen: Nach einer prophylaktischen Reinigung im Ultraschallbad montiert er die Einzelteile, ölt dabei nach einem genauen Plan alle beweglichen Stellen mit einem Spezialöl und reguliert zum Schluss jedes Kaliber sorgfältig ein, um eine hohe Ganggenauigkeit zu erreichen. Das frisch geölte und genau regulierte Uhrwerk läuft innerhalb strengster Toleranzen, die Gangwerte auf der elektronischen Zeitwaage liegen im Bereich von fabrikneuen Werken.

Da es sich um New Old Stock-Werke handelt, sind unsere Handaufzug– und Automatik-Uhren der Heritage-Kollektion streng limitiert, denn der Vorrat ist naturgemäß endlich. Wir halten natürlich genügend Ersatzteile zurück, um den Service langfristig sicherstellen zu können. Die Uhrwerke sollen schließlich ein Leben lang – und darüber hinaus – halten.

Circula Heritage PUW Automatik Gehäuseboden

Was macht die New Old Stock-Werke von P.U.W. so besonders?

In erster Linie machen der historische Wert, die einzigartige Geschichte und die extreme Seltenheit die New Old Stock-Werke von P.U.W. so besonders. Eine weitere Besonderheit ist, dass es sich um Manufakturkaliber handelt, die zu 100 % in Deutschland hergestellt wurden – so etwas gibt es heutzutage kaum noch, da fast die gesamte Produktion mechanischer Uhrwerke in der Schweiz und in Japan stattfindet.

Früher waren Uhrwerke vor allem auf eines ausgelegt: auf eine lange und präzise Gangleistung. Eine flache Bauweise oder verzierende Schliffe, die eventuell auf die Funktion einen Einfluss haben könnten, waren weniger wichtig. Zum Einsatz kamen deshalb groß dimensionierte Unruhen und effiziente Aufzugsmechanismen, die eine gute Funktion über Jahre garantieren. Optisch sind die Werke ansehnlich, aber unverziert. Genfer Streifen, Perlage und blaue Schrauben, die wir heute mit Qualität verbinden, hatten hier noch nicht Einzug gehalten. Zu Beginn dienten die Schliffe in Taschenuhren auch hauptsächlich dazu, den Staub auf den Brücken zu binden. Der optische Nutzen kam erst weit später auf.

Der beidseitige Aufzug der New Old Stock-Automatikwerke von P.U.W. ist einfach konstruiert und deshalb enorm robust. Während moderne Klinkenräder nach fünf bis zehn Jahren verschlissen sind, hält der Wippenwechsler hier ein Leben lang. Zudem ist der Aufzug sehr effizient. Mit 21.600 Halbschwingungen gehören unsere P.U.W. Werke zu den klassischen Werken, die sich durch lange Wartungsintervalle auszeichnen. Bei vielen modernen Werken arbeitet die Hemmung viel schneller, weshalb auch die Wartungsintervalle kürzer sind.

Der Deutsche YouTube Blogger Caseback Watches beschäftigt sich in untenstehendem Video mit dem Thema New Old Stock-Werke und wirft dabei auch einen Blick auf die Circula Heritage.

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