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18.06.2026

Guillochieren

Geometrie, Licht und Handwerk


Guillochieren gehört zu den traditionsreichsten Veredelungstechniken der Uhrmacherei. Dabei werden feine, sich wiederholende Linienmuster in Metall geschnitten. Das Ergebnis ist nicht einfach eine dekorative Oberfläche, sondern ein lebendiges Spiel aus Licht, Schatten und Tiefe. 
Je nach Muster kann ein Zifferblatt ruhig, technisch, klassisch oder fast fließend wirken. Besonders faszinierend ist, dass sich die Wirkung mit jeder Bewegung der Uhr verändert.

Woher kommt Guilloché?


Die Technik des Guillochierens ist mehrere Jahrhunderte alt. Ursprünglich wurde sie nicht nur für Uhren, sondern auch für Schmuck, Silberwaren und andere feine Metallarbeiten eingesetzt. In der Uhrmacherei wurde Guilloché besonders durch Abraham-Louis Breguet bekannt, der guillochierte Zifferblätter schon früh zur Strukturierung und besseren Ablesbarkeit nutzte. 
Denn Guilloché ist nicht nur schön. Verschiedene Muster können Bereiche eines Zifferblatts optisch trennen, Reflexe kontrollieren und Anzeigen besser erkennbar machen.

Wie funktioniert Guillochieren?


Beim traditionellen Guillochieren wird das Werkstück auf einer handbedienten Maschine befestigt. Je nach Maschine entstehen kreisförmige, wellenartige oder lineare Muster. Die Bewegung des Werkstücks wird über sogenannte Rosetten oder Führungen gesteuert. Ein Schneidwerkzeug trägt dabei feinste Linien aus dem Metall ab. 
Der entscheidende Punkt: Die Maschine unterstützt die Bewegung, aber sie ersetzt nicht den Handwerker. Druck, Geschwindigkeit und Führung müssen genau kontrolliert werden. Ein kleiner Fehler kann ein ganzes Zifferblatt unbrauchbar machen. Besonders komplexe Zifferblätter können viele Stunden Arbeit erfordern.  

Rundzugmaschine und Geradzugmaschine


Grundsätzlich unterscheidet man häufig zwischen Rundzugmaschinen und Geradzugmaschinen. Eine Rundzugmaschine erzeugt kreisförmige, wellenartige oder rosettenartige Muster. Eine Geradzugmaschine eignet sich für lineare Muster, Streifen oder regelmäßige geometrische Strukturen. 
Viele bekannte Guilloché-Muster entstehen durch das Zusammenspiel aus wiederholten Linien und feinen Überschneidungen. Dazu gehören etwa Clous de Paris, Grain d’Orge, Sonnenschliff, Wellen- oder Moiré-Muster.

Warum echte Guillochierung anders ist


Heute werden viele Oberflächen geprägt, gestanzt oder per CNC strukturiert. Diese Verfahren können sehr hochwertig sein, sind aber nicht identisch mit traditioneller Handguillochierung. Beim echten Guillochieren wird Material geschnitten, nicht nur verformt. Dadurch entstehen scharfe, feine Linien mit besonderer Tiefe.
Genau diese Tiefe sorgt für das lebendige Lichtspiel. Ein guillochiertes Zifferblatt wirkt nie völlig statisch. Je nach Blickwinkel treten andere Linien hervor, Flächen scheinen heller oder dunkler, das Muster bekommt Bewegung.

Guillochieren bei CiRCULA


Bei der CiRCULA Facet Guilloche LE wurde diese Technik in besonderer Form eingesetzt. Das Zifferblatt besteht aus massivem Sterling Silber und wurde von Jochen Benzinger in Pforzheim auf einer historischen Rundzugmaschine aus dem Jahr 1900 handguillochiert. Das gewählte Moiré-Muster ist von den drei Flüssen Enz, Nagold und Würm inspiriert, die in Pforzheim zusammenfließen. 
So wird das Zifferblatt zu mehr als einer Oberfläche. Es erzählt von Material, Herkunft, Handwerk und Zeit.

Fazit


Guillochieren ist eine selten gewordene Kunst, die Präzision und Gefühl verlangt. Jede Linie muss sitzen, jedes Muster braucht Geduld und Erfahrung. Das Ergebnis ist ein Zifferblatt mit besonderer Tiefe – technisch, handwerklich und emotional. Gerade in einer Zeit industrieller Perfektion zeigt Guilloché, warum echte Handarbeit ihren eigenen Wert besitzt.