19.06.2026
Incabloc
Kleines Bauteil, große Wirkung
In einem mechanischen Uhrwerk arbeiten viele winzige Bauteile mit großer Präzision zusammen. Besonders empfindlich ist die Unruh mit ihrer feinen Welle. Ihre Zapfen sind extrem dünn und sitzen in Lagersteinen. Schon ein starker Stoß kann hier theoretisch Schäden verursachen.
Genau an dieser Stelle kommt Incabloc ins Spiel. Incabloc ist eine Stoßsicherung, die die Lagerung der Unruh schützt. Sie ermöglicht es dem Lagerstein, bei einem Stoß minimal auszuweichen und anschließend wieder exakt in seine ursprüngliche Position zurückzukehren.
Warum braucht ein Uhrwerk eine Stoßsicherung?
Mechanische Armbanduhren werden im Alltag bewegt, abgelegt, getragen und manchmal auch versehentlich gestoßen. Ohne Stoßsicherung wären die feinen Zapfen der Unruhwelle besonders gefährdet. Früher gehörten gebrochene Unruhwellen zu den typischen Schäden mechanischer Uhren.
Eine Stoßsicherung nimmt die Kraft nicht vollständig weg, sie verteilt und kontrolliert sie aber besser. Dadurch wird verhindert, dass die empfindlichsten Bauteile des Uhrwerks die volle Belastung tragen müssen.
Die Geschichte von Incabloc
Die Ursprünge von Incabloc reichen bis in die späten 1920er Jahre zurück. Fritz Marti entwickelte damals erste Systeme zum Schutz von Uhren gegen Stöße. 1933 wurde der Name Incabloc als Marke registriert, 1938 erhielt das System mit der charakteristischen Lyra-Feder eine Form, die bis heute eng mit Incabloc verbunden ist.
Diese kleine Feder ist leicht zu erkennen: Sie sieht aus wie eine stilisierte Lyra. Ihre Aufgabe ist es, das Lager nach einem Stoß wieder präzise zu zentrieren.
Wie funktioniert Incabloc?
Das Incabloc-System arbeitet mit einer beweglich gelagerten Kombination aus Lagerstein und Deckstein. Bei einem Stoß kann dieses Lagerpaket innerhalb definierter Grenzen ausweichen. Die Belastung wird so von den empfindlichen Zapfen weggeleitet. Anschließend bringt die Lyra-Feder das Lager wieder in die korrekte Position.
Incabloc beschreibt selbst, dass der Stoß in zwei Phasen verarbeitet wird: Zunächst wird die Energie über den Lagerblock aufgenommen, danach erfolgt die Rückzentrierung durch die Feder. Bei einem Sturz aus etwa einem Meter Höhe können auf die Unruh Kräfte wirken, die einem Vielfachen ihres Eigengewichts entsprechen.
Incabloc in modernen Uhrwerken
Incabloc gehört heute zu den bekanntesten Stoßsicherungen der mechanischen Uhrmacherei. In vielen Schweizer Kalibern ist das System oder eine vergleichbare Stoßsicherung verbaut. Auch CiRCULA setzt bei verschiedenen Automatikwerken auf Incabloc. So verfügen etwa das Sellita SW200-1 und das Sellita SW200-2 Power+ über eine Incabloc-Stoßsicherung.
Was Incabloc nicht kann
Eine Stoßsicherung macht eine mechanische Uhr robuster, aber nicht unzerstörbar. Starke Schläge, Stürze auf harte Böden oder extreme Vibrationen können weiterhin Schäden verursachen. Incabloc schützt vor allem eine besonders empfindliche Stelle des Uhrwerks – es ersetzt aber keinen sorgsamen Umgang mit einer mechanischen Uhr.
Fazit
Incabloc ist ein kleines, aber wichtiges Detail im mechanischen Uhrwerk. Es schützt die empfindliche Lagerung der Unruh und trägt so zur Alltagstauglichkeit moderner Automatikuhren bei. Gerade bei Funktionsuhren, die zuverlässig und langlebig sein sollen, ist eine gute Stoßsicherung ein entscheidender Beitrag zur Robustheit.