Ebenso wie das japanische Miyota 9015 ist auch das Schweizer Sellita SW200-1 eine beliebte Alternative für das inzwischen sehr rare ETA 2824-2-Werk. ETA, eine Tochterfirma der Swatch-Group, kündigte 2003 in Absprache mit der Schweizer Wettbewerbskommission WeKo an, dass in Zukunft nur noch die eigenen Swatch Group-Marken und kleinere Hersteller mit Uhrwerken beliefert werden sollen. Nach dieser Ankündigung kam Bewegung in die Uhrenbranche und viele Hersteller, die in ihren Uhren ETA-Werke verbauten, mussten sich nach Alternativen umschauen. Firmen wie Sellita oder auch STP nutzten diese Chance (und den ausgelaufenen Patentschutz des ETA 2824-2 und weiterer ETA-Kaliber), um baugleiche Werke auf den Markt zu bringen und somit das eigene Geschäft auszubauen.

Sellita – Vom Remontagebetrieb zum zweitgrößten Hersteller von mechanischen Uhrwerken in Europa

Sellita wurde im Jahre 1950 von Pierre Grandjean in La Chaux-de-Fonds in der französischen Westschweiz gegründet. Die hohe Nachfrage nach Schweizer Uhren in den Wirtschaftswunderjahren beflügelte dabei auch die Geschäfte des ehemaligen Remontagebetriebs, der serienmäßig Standardkaliber nach individuellen Kundenwünschen fertigte. Über eine eigene Produktion verfügte Sellita zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Pierre Grandjean spezialisierte sich schon damals unter anderem auf Uhrwerke, deren Konstruktion ETA ähnelte, und optimierte im Laufe der nächsten Jahre die Montage der Uhrwerke immer weiter. Erfindungen wie das Laserschweißverfahren zur Befestigung der Spirale an der Unruh stammen beispielsweise aus dem Hause Sellita.

Sellita SW200-1

Als im Jahre 2003 das Patent des ETA-Kalibers 2824-2 ausgelaufen ist und ETA außerdem ankündigte die Lieferung an Drittkunden zu verknappen, beschloss Pierre Grandjean, dass Sellita eine neue Richtung einschlagen muss: Anstatt wie bisher die einzelnen Werkskomponenten nur zusammenzubauen, sollten die wichtigsten Teile der Uhrwerke auch im eigenen Hause gefertigt werden. Grandjean betraute mit der Umsetzung dieses Vorhabens seinen damaligen Betriebsleiter Miguel Garcia. Dieser veranlasste daraufhin den Bau einer Produktionsstätte für Nachbauten sämtlicher Komponenten von ETA-Automatikkalibern wie zum Beispiel dem 2824-2, das dann wenig später als Sellita SW 200-1 auf den Markt kam.

Der Plan ging auf und die Nachbauten der ETA-Werke waren so gefragt, dass Sellita schnell an seine Kapazitätsgrenzen stieß. In den nächsten Jahren wurden deshalb weitere Produktionsstätten errichtet, um der steigenden Nachfrage nach den beliebten und qualitativ hochwertigen Sellita Werken nachzukommen. Das Sellita-Tochterunternehmen Technicor beispielsweise hat sich auf die Dekoration und mechanische Nachbearbeitung von Uhrwerkbauteilen spezialisiert und verfügt über die größte vollautomatische Galvanik-Anlage der Schweiz.

Heute ist Sellita der zweitgrößten Hersteller von mechanischen Uhrwerken in Europa. Die Nachbauten stehen den ETA-Originalen qualitativ in nichts nach und sind sowohl für große als auch für kleine Hersteller verfügbar. Sellita legt viel Wert darauf unabhängig zu sein und sich nicht nur auf die Belieferung bestimmter Marken zu spezialisieren. Da Sellita folglich auch konkurrierende Marken beliefert, ist dem Unternehmen Diskretion wichtig, um die Interessen seiner Kunden zu wahren.

Technische Spezifikationen des Sellita SW200-1

Das Sellita SW200-1 ist ein rundes Kaliber mit mechanischem Ankerwerk und automatischem Aufzug. Dank der 28.800 Halbschwingungen pro Stunde läuft der Sekundenzeiger sehr flüssig. Das Werk verfügt über einen Stunden-, Minuten- und großen Sekundenzeiger sowie über eine Datumsanzeige. Die Aufzugswelle hat drei verschiedene Stellungen: die erste ist der Handaufzug, die zweite die Schnellkorrektur des Datums und die dritte ist für die Zeigerstellung. Dank Sekundenstopp lässt sich die Zeit präzise einstellen.

Das Sellita SW200-1 verfügt außerdem über einen kugelgelagerten Rotor mit hoher Aufzugs-Effizienz.

Die Spezifikation des Sellita SW200-1-Werks auf einen Blick:

  • Durchmesser: 26,00 mm
  • Höhe: 4,6 mm
  • Ganggenauigkeit: je nach Qualitätsstufe, siehe Tabelle
  • Gangreserve: 38 Stunden
  • Frequenz: 28800 A/h
  • Lagersteine: 26 Steine

Sellita SW200-1: Qualitätsstufen

Da Sellita die Qualitätsstufen von ETA übernommen hat, ist das Sellita SW200-1 ebenso wie das ETA 2824-2 in den vier verschiedenen Qualitätsstufen, nämlich Standard, Spécial bzw. Elaboré, Prémium bzw. Top und Chronomètre erhältlich. Die Unterschiede betreffen vor allem die Unruh, die Stoßsicherung und natürlich die Ganggenauigkeit.

Standard Spécial (Elaboré) Prémium (Top) Chronomètre
Mittlere Ganggenauigkeit 12 ±12 s/d 7 ±7 s/d 4 ±4 s/d COSC-Kriterien
Stoßsicherung Novodiac Novodiac Incabloc Incabloc
Unruh Nickel vergoldet Nickel vergoldet Glucydur vergoldet Glucydur vergoldet

Genau genommen gibt es nur drei verschiedene Werke, denn der einzige Unterschied zwischen Top und Chronomètre ist die Zertifizierung, die von einer Einrichtung wie z.B. der COSC (Contrôle officiel suisse des chronomètres) durchgeführt wird und bei Bestehen des Tests die Bezeichnung Chronomètre tragen darf. Sprich: Chronomètre ist ein Prémium- bzw. Top-Werk mit Zertifizierung.

Circula-Uhren mit Sellita SW200-1-Werk

Sellita SW200-1-Werke in der Ausführung Standard oder Top sind in der Circula Super-Compressor-Uhr SuperSport sowie in der zweiten Generation der Taucheruhr AquaSport verbaut.

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